claim

Präventionskonferenz - Die Wetterau ist sicher

Zur jährlichen Konferenz hat der Kreispräventionsrat des Wetteraukreises ins Friedberger Kreishaus eingeladen. Neben dem Medienexperten Peter Holnick referierte auch die Leiterin der Polizeidirektion Friedberg, Anja Fuchs. Ihr Thema: „Wie sicher ist die Wetterau – Ergebnisse der Kriminalstatistik“.

Landrat Jan Weckler betonte bei der Begrüßung die Bedeutung des Themas Prävention und Vorbeugung für den Wetteraukreis. Es gebe eine ganze Reihe von Initiativen und Programmen für mehr Sicherheit. „Sicherheit bedeutet Lebensqualität und ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Sicherheit und Prävention sind indes keineswegs nur die Aufgabe der Polizei oder staatlichen Organe. Hier sind wir alle aufgerufen, um gemeinsam an diesem Thema zu arbeiten.“

Tatsächlich liegt zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl vieler Menschen und den tatsächlichen Zahlen eine deutliche Diskrepanz. Das hat auch Anja Fuchs, die Leiterin der Polizeidirektion in Friedberg, in ihrem Vortrag festgestellt (Präsentation siehe unten). „Die Wetterau“, so Fuchs, „ist im Vergleich zu anderen Regionen Hessens sehr sicher“.

Diese Aussage wird durch die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik untermauert. Zudem haben sich seit 2008 die Fallzahlen in der polizeilichen Kriminalstatistik Wetterau kontinuierlich reduziert. Vor zehn Jahren lagen sie noch um 2.600 Fälle höher. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von damals 54,8 Prozent auf jetzt 60,3 Prozent.

Einbrecher scheitern immer öfter

Rund ein Drittel aller Straftaten fällt auf einfachen und schweren Diebstahl, mit einem Viertel sind weitere Vermögens- und Fälschungsdelikte, insbesondere Betrug, dabei. Erfreulich sei dabei, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgehe. In 50 Prozent der Fälle bleibt es beim Versuch. Grund dafür sind verbesserte Sicherungsmaßnahmen, wie etwa abschließbare Fenster. Betrugsdelikte im Zusammenhang mit dem Internet nehmen hingegen zu.

„Kriminelles Verhalten“, so Anja Fuchs, „ist Teil unserer Gesellschaft und kann generell nicht verhindert werden, aber man kann das Risiko durch entsprechende Prävention verringern“.

Perfide Methoden der Trickbetrüger

Welche Präventionsmaßnahmen dafür in Frage kommen, erläuterte Frau Fuchs anhand von drei Beispielen. Die Zahl von „Blüten“, falschen 50-Euro-Scheinen, nimmt im Wetteraukreis entgegen dem bundesweiten Trend zu. Derzeit gibt es eine ganze Serie mit falschen Fünfzigern. Deshalb wurden in der Vergangenheit Sicherheitshinweise an betroffene Einzelhändler übermittelt und entsprechende Informationsveranstaltungen auch im Zusammenhang mit der Bundesbank durchgeführt.

Eine weitere wichtige Präventionsmaßnahme betrifft die Vermeidung von Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Hier sind es vor allem Straftäter, die mit perfiden Methoden per Telefon Kontakt zu älteren Menschen aufnehmen und teilweise auch über einen längeren Zeitraum erheblichen psychischen Druck auf die Geschädigten ausüben. Neben dem Verlust von Vermögen kommt für die Betroffenen häufig Scham hinzu, auf solche Betrüger hereinzufallen.

Insbesondere zwischen April und Oktober werden Fahrräder gestohlen, vor allem an Bahnhöfen, Schulen und an Bädern. Wichtig, um Fahrräder zuzuordnen, ist die kostenlose Fahrradcodierung nach dem in Friedberg entwickelten FEIN-Modell.

Die neue Präventionsinitiative des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport „KOMPASS“, ermöglicht es Kommunen, mit der Beteiligung von Polizei sowie Bürgerinnen und Bürgern individuelle Lösungen für lokale Probleme zu erarbeiten. Im Wetteraukreis sind bereits Büdingen und Bad Nauheim in das Programm aufgenommen (Präsentation KOMPASS Büdingen siehe unten).

Prävention durch Medienkompetenz

Die zweite Hälfte der Konferenz war dem Thema „Prävention durch Medienkompetenz“ gewidmet. Bereits seit einem Jahr befasst sich die Arbeitsgruppe Jugend des KPR mit der Frage, was Kinder und Jugendliche im Wetteraukreis brauchen, um sicher und kritisch-reflektiert mit Medien umzugehen.

Peter Holnick, Geschäftsführer des Institutes für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen (MUK Hessen), ging in seinem Vortrag der Frage nach, wie sich unsere Kommunikation durch digitale Medien verändert hat.

Holnick zufolge verändern die Möglichkeiten der mobilen Nutzung sozialer Medien und deren ständige Verfügbarkeit unsere Kommunikation umfassend. Werte und Normen verschwimmen, die Gesellschaft verliert an Sicherheit und greift auf der Suche nach einer neuen Haltung auf ein, größtenteils von der Unterhaltungsindustrie geschaffenes Weltbild zurück. Jugendliche wollen ein Teil einer Inszenierung sein, die Reproduktion eines Augenblicks wird wichtiger als das gegenwärtige Erleben.

Aktuell würde Medienbildung noch nicht wichtig genug genommen. Die Frage nach dem Umgang mit Medien sei eine Frage der Haltung, weshalb Holnick forderte: „Wir müssen Kindern Werte vermitteln“. Diese Wertevermittlung sei durch die Medien und Unterhaltungsindustrie übernommen worden und müsse wieder stärker durch die Eltern und die Schule ausgeübt werden, was nur durch „sprechen, reden, fragen – aber bitte auch mit Humor“ gelänge.

In einer ausgedehnteren Jugendphase, die immer früher beginnt und vom „on-sein“ dominiert wird, fehlten den Jugendlichen von heute – so Holnick – konkrete Abenteuer, das Risiko und Krisen, um daran wachsen zu können. Dies und eine stete Kommunikation auf Augenhöhe seien die Schlüssel zu allen Lösungsansätzen.

Im Anschluss nutzten die anwesenden Gäste noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich mit Peter Holnick auszutauschen.

Leitet Herunterladen der Datei einPräsentation Kompass Büdingen

Leitet Herunterladen der Datei einPräsentation Polizeidirektion Wetterau

 

 

veröffentlicht am: 19.09.2019

Wetteraukreis

Der Kreisausschuss

Europaplatz 61169 Friedberg
Telefon 06031 83 0