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Kreispräventionsrat diskutiert über Medienkompetenz

Landrat Jan Weckler mit der Lenkungsgruppe des Kreispräventionsrats.

Ein Leben ohne Smartphone ist nicht nur für Jugendliche kaum vorstellbar. Digitale Medien sind integraler Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen geworden. Damit sind Chancen, aber auch Risiken, wie Cyber-Mobbing oder die Verbreitung von Hassbotschaften in den sozialen Medien verbunden. Mehr als 60 Fachleute kamen auf Einladung von Landrat Jan Weckler zur Präventionskonferenz in das Friedberger Kreishaus.

Landrat Jan Weckler nannte die Entwicklung von Medienkompetenz unverzichtbar, um angemessen auf die Herausforderung der digitalen Welt reagieren zu können. Der Kreispräventionsrat bildet mit seinen Partnern ein Netzwerk, um den Herausforderungen begegnen zu können.

Kornelia Schäfer, Leiterin des Sonderfachdienstes Frauen und Chancengleichheit, leitet die Geschäftsstelle des Kreispräventionsrates und berichtete über dessen Arbeit. Projekte und Kampagnen, wie Gewalt-Sehen-Helfen, Workshops zur Stärkung von Helferkompetenzen und Zivilcourage, Aktionen, wie Feiern mit Regeln oder die Aktion BOB, sind Teil der engen Vernetzung mit der kommunalen Präventionsarbeit, die im Wetteraukreis weit fortgeschritten sei.

Der drei Mal im Jahr erscheinende Newsletter des Kreispräventionsrates und dessen Öffnet externen Link in neuem FensterHomepage  halten alle Interessierten auf dem aktuellen Stand der Arbeit.

Als Auftakt zum neu festgelegten Schwerpunktthema „Prävention durch Medienkompetenz“ hielt der Medienpädagoge Jan Rathje einen Vortrag zum Thema „Digitale Medien gemeinsam verstehen“. Rathje zufolge speist sich die Faszination von Computerspielen für Jugendliche vor allem in der Tatsache, dass man sich in einer komplizierten Welt zurückziehen kann, in eine eigene, eine digitale Welt, die sich beherrschen lässt. Freude, Abenteuer, Entscheidungsmöglichkeiten, das Gefühl, etwas bewirken zu können, machen solche Spiele hoch attraktiv. Allerdings gibt es nicht erst seit dem Zeitalter von Fake-News eine ständige Beeinflussung von Nutzern dieser sozialen Medien. Deshalb gehöre es zu den Kernkompetenzen der Zukunft, Informationen auch bewerten zu können.

Exzessive Smartphone-Nutzung – Eltern sind mit schuld

Die verbreitete exzessive Nutzung von sozialen Medien und Smartphones hat oft etwas mit den Vorbildern in der Familie zu tun. Wenn das Smartphone ständig griffbereit ist und mitunter wichtiger wird als die Kommunikation in der Familie, sei es kein Wunder, wenn Kinder entsprechend reagieren. Eltern sollten stattdessen Kindern zeigen, dass es noch eine reale neben der virtuellen Welt gibt und sich Zeit für die Kommunikation mit ihren Kindern nehmen.

Wie eine düstere Zukunft aussehen könnte, das zeigte Rathje am Beispiel China, wo mittlerweile mehr als 200 Millionen (!) Kameras nicht nur den Verkehr, sondern auch die Menschen beobachten. Dort werden Punkte vergeben für angemessenes Verhalten, wie der Besuch von Parteiveranstaltungen oder die Ausrichtung von Festen für Großeltern, während negatives Verhalten, wie etwa bei Rot über die Ampel gehen, Minuspunkte bringt. Das kann sogar so weit gehen, dass Menschen präventiv festgesetzt werden. Das funktioniert dort nur, weil in China niemand „Stopp“ sagt.

Zum Abschluss der Präventionskonferenz  moderierten Dirk Zettner vom Netzwerk gegen Gewalt und Claudia Taphorn von der Geschäftsstelle des Kreispräventionsrates eine Diskussionsrunde zum Thema Vermittlung von Medienkompetenz als gemeinsame Aufgabe. Beteiligt waren Gerhard Rauschenberg, Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe, Wolfgang Bernd Schulz, Jugendkoordinator der Polizeidirektion Wetterau, Anette Kehrbaum, Schulsozialarbeiterin an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben, Horst Eigenwillig, Vorsitzender des Kreiselternbeirates und Jan Rathje, Medienpädagoge.

Wolfgang Bernd Schulz stellte fest, dass mit der Zunahme von Smartphones auch entsprechende Delikte, wie Cyber-Mobbing, Verbreitung von Pornografie und Gewalt verherrlichende Videos zunehme. Überwiegend sei es aber um die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler gut bestellt.

„Ab der fünften Klasse hat fast jedes Kind ein Smartphone“, stellte Gerd Rauschenberg fest. Auch er beobachtet ein zunehmendes Mobbing in WhatsApp-Gruppen, worunter das Klassenklima oft leide.

Schulsozialarbeiterin Anette Kehrbaum stellte fest, dass die Handy-Nutzung in der Schule von den verschiedenen Gruppen unterschiedlich beurteilt wird. „Medien sind Teil des Alltags und der Umgang mit ihnen muss einfach gelernt werden. Freilich muss dabei eine Grenze aufgezeigt werden. Dafür braucht es verbindliche und vertrauensvolle Erziehungspartner, die auch soziale Kompetenzen vermitteln.“

Der Ausbau von Schulsozialarbeit sei hier besonders wichtig, bestätigte auch Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch, die daran erinnerte, dass mehr als die Hälfte der Schulen in der Wetterau mittlerweile über eine eigene Schulsozialarbeit verfügen, die in Zukunft weiter ausgebaut wird. Hier werde künftig noch mehr für die Vermittlung von Medienkompetenz getan.

veröffentlicht am: 22.06.2018

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